Kompostierung im Arabischen Raum

 

Weltweit gesehen ist der Arabische Raum ein Zentrum der biologischen Behand­lung von Siedlungsabfällen. Im untersuchten Gebiet sind über 1 Mio. t/a (Nennkapazität) an konventioneller Müllkompostierungstechnik installiert, Tendenz steigend. Der Grund für den hohen Stellenwert liegt im großen Bedarf an Bodenverbesserungsmitteln. Im Umgang mit Abfall bestehen kulturell bedingte Unterschiede zu Zentraleuropa, die sich auch auf andere Bereiche der Abfallwirtschaft auswirken. Während in Europa zur Errichtung einer Abfallbehandlungsanlage im Regelfall umweltbezogene Vorsorgemotive führen, wurden die 16 hier untersuchten, durchwegs von europäischen Herstellern errichteten Kompostwerke aus dem singulären Motiv errichtet, Bodenverbesserungsmittel zu erzeugen, dessen Verkaufserlös die Behandlungskosten übersteigt.

Stellenwert der Kompostierung

Nirgendwo dominiert die Kompostierung als praktisch alleinige Behandlungsmethode für Siedlungsabfälle (neben der ungeordneten Ablagerung) wie in den Kleinstaaten am Golf. Der Grund dafür liegt - naheliegenderweise - in kaum vorhandenen organischen Anteilen in den Böden und damit einem hohen Bedarf an Bodenverbesserungsmitteln. Dies hat seit etwa 20 Jahren zur Errichtung einer Vielzahl von Müllkompostwerken geführt und schlägt sich in einem - verglichen mit Zentraleuropa - exobitant hohen Preisniveau für das Endprodukt nie­der. Bspw. werden am Golf für eine Tonne Hausmüllkompost zwischen 100 und 175 DM bezahlt - bei loser Abgabe (ab Werk), optisch mittlerer Qualität und einer Körnung < 10 mm (Stand 1994). Der Hauptabsatzmarkt liegt im Bereich Garten- und Landschaftsbau: Gerade in den reichen Golf­staaten prägen ausgedehnte und üppige Parkanlagen das Bild sonst mitunter eintöniger und karger Stadtlandschaften. Sackweise in den anonymen Endverbrauchermarkt abgegebene Ware wird fallweise mit Rinderdung (importiert aus Nordafrika) verschnitten, um den anhaftenden „Müllcharakter“ zu überdecken. Standards betreffend qualitätsmindernde Bestandteile (insbesondere Schadstoffe) spielen bei der Vermarktung keine Rolle.

Bezüglich dieser Rentabilität (Komposterlös übersteigt Behandlungsaufwand) ist zu konstatieren, daß sie bei bestimmten, den jeweiligen Stadtverwaltungen angegliederten Betrieben kaum gegeben sein dürfte. Gründe sind neben hohen Personalständen (bis zu 150, was etwa dem fünffachen einer vergleichbar ausgestatteten europäischen Anlage entspricht) mitunter mangelhafte Wartung, die sich gerade im Bereich der Kompostaufbereitung auf die optische Produktqualität und damit den Erlös auswirkt. Da in diesen Fällen Hauptabnehmer die Stadtverwaltungen selbst sind (Gestaltung öffentlicher Grünflächen), kann der gewünschten Rentabilität mit einem fiktiv überhöhten Kompostpreis nachgeholfen werden. Private Betreiber hingegen decken die Aufwendungen ausschließlich über den Erlös der Produkte; Behandlungsgebühren sind unbekannt.

 

 

 

Hausmüllkompostwerk Abu Dhabi: Blick auf Rottetrommeln

 

 

Hausmüllkompostwerk Abu Dhabi: Endprodukt (12 mm, im Bildhintergrund Spannwellensieb)

 

Übersicht zu Hausmüllkompostwerken

Seit Mitte der siebziger Jahre wurden im betrachteten Raum über ein Dutzend Anlagen mit einer mittleren Nennkapazität von etwa 70.000 t/a realisiert, und zwar überwiegend von den drei auch am europäischen Markt stark vertretenen Herstellern VÖEST (Österreich), BÜHLER (Schweiz) und DANECO (Italien). Als vorläufig letzte Anlage ging Ende 1995 Kuwait in Betrieb. Die folgende Tabelle enthält eine Übersicht der realisierten Anlagen, drei stehen außer Betrieb (Muscat im Oman wegen nicht tolerierter Geruchsemissionen; dies bereitet auch anderen Betreibern Probleme). Die Behandlungskapazitäten sind dabei - wie in diesem Raum üblich - als Tagesmenge angegeben.

Die Verfahrenstechnik der meisten Anlagen entspricht dem der etwa zeitgleich in Zentraleuropa entstandenen Hausmüllkompostwerke dieser (und anderer) Hersteller in meist einfacher und vor allem robuster Ausführung. Zur Vorzerkleinerung werden Schnelläufer eingesetzt (bei Kapazitätserweiterungen auch Langsamläufer), fallweise finden Rottetrommeln Verwendung, bei der Hauptrotte wurde meist auf eine Überdachung verzichtet. In der Feinaufbereitung, die in vielen Fällen den durchsatzbegrenzenden Behandlungsschritt darstellt, haben einige Betreiber recht interessante Eigenentwicklungen umgesetzt (bspw. im Kompostwerk Sharjah/VAE). Für etwa ein Viertel der in Betrieb stehenden Anlagenkapazität sind Ertüchtigungen oder Neuinstallationen beabsichtigt.

In den Ballungsräumen, die noch über keine Abfallbehandlung im technischen Maßstab verfügen, wird generell die Kompostierung als Methode der Wahl angesehen. Konkrete Vorhaben sind bekannt für die jordanische Hauptstadt Amman, das saudiarabische Jeddah am Roten Meer, eine größere Anlage für Teheran sowie Beirut, wo zu Beginn der Achziger Jahre die einzige Müllverbrennungsanlage in der Region errichtet wurde.

 

Staat

Standort

Status

Lieferant der Hauptkomponenten

Inbetrieb-nahme

Durchsatz (t/d)

Ägypten

Alexandria

in Betrieb

n.b.

n.b.

200

 

Damietta

in Betrieb

BÜHLER

1985

160

 

Giza

in Betrieb

n.b.

n.b.

150

 

Kairo

in Betrieb

BÜHLER

n.b.

200

Iran

Isfahan

in Betrieb

BÜHLER

1987

500

Katar

Doha

in Betrieb

BÜHLER

1977 / ´84

300

Kuwait

Kuwait City

außer Betrieb

Daneco

1995

700

Oman

Muscat

außer Betrieb

OTV (Frankreich)

ca. 1985

 -

Saudi-Arabien

Yanbu

außer Betrieb

BÜHLER

1984

-

Syrien

Damaskus

in Betrieb

BÜHLER

1988

700

VAE

Abu Dhabi

in Betrieb

BÜHLER

1976 / ´79

700

 

Al-Ain

in Betrieb

VÖEST

1986

450

 

Sharjah

in Betrieb

DANECO

1978

450

 

Dubai

in Betrieb

DANECO, VÖEST

1978

400

 

Fujaira

in Betrieb

DANECO

1986

150

 

Ajman

in Betrieb

DANECO

1986

150