Ein Regenmantel für eine Mülldeponie

Im Zuge einer Kostenbetrachtung (siehe Referenzen) zur Restabfallbehandlung im Ein­zugs­gebiet der Mülldeponie Lavant (Osttirol) stellte sich heraus, daß die Sicker­wasser­be­handlung mit über 50 % den Löwenanteil an den Betriebskosten aus­macht. Als Sofort­maßnahme wurde eine Ableitung von Niederschlägen vor­ge­schla­gen, um die zu behandelnde Sicker­wasser­men­ge zu redu­zieren. Im November 2002 wurde ein Teil der Oberfläche mit einer wasser­abwei­senden Hülle ver­sehen.

Zusätzlich zum Kostendruck war die besondere Situation ge­ge­ben durch hohe Niederschläge (ca. 1.100 mm) und die Bauform der Deponie (große Höhe - ca. 30 m, steile Flanken), welche das suk­zessive Aufbringen der Endab­dichtung zeitnah nach Schüttungsende setzungs­be­dingt erschwert.

 

 

Aufbringen einer temporären Dichthaut

Von TBU wurde in Kooperation mit dem Projektpartner TB Hauer (Korneuburg) eine Lösung erdacht, die folgenden Anforderungen genügt:

  • Anwendung auch bei großen Hangneigungen (30o und mehr) und in schwierigen Geländeformationen (Kan­ten, Grate etc.) möglich

  • UV-Beständigkeit, Setzungsbeständigkeit, Windsicherheit, Reparaturfreundlichkeit

  • Kostengunst im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffdichtungen

  • über einen längeren Zeitraum garantierte Wasserdichtigkeit war nicht erforder­lich, da es sich lediglich um eine temporäre Maßnahme auf der Deponie­ober­fläche handelt.

Bei der eigentlichen wasserabweisenden Hülle handelt sich um einen Verbundkunststoff bestehend aus einem Trägervlies aus PP und einer Deckschicht aus PE. Die einzelnen Bahnen der Kunststoffhaut wurden in einem speziellen Nähver­fahren längsseitig miteinander verbunden und an den Außen­sei­ten der derart entstandenen Fläche auf der Deponie­ober­fläche entsprechend befestigt. Die abgeleiteten Oberflächenwässer werden entweder versickert oder in den Vorfluter geleitet.

 

 

Abb. 1: Fertig verlegte Teilfläche
(Hangneigung ca. 40o, absolute Höhe ca. 30 m)

Abb. 2: Ableitung der Oberflächenwässer über Halbschale,
Beschweren der Kunststoffhaut mit Sandsäcken

 
 

 

 

Ergebnisse

Zunächst wurden zwei Testflächen im Gesamtausmaß von ca. 3.000 m2 ver­legt (Dauer: eine Woche). Erste Erfahrungen sind rundweg positiv; die Dichtungshaut hat alle Stürme und Un­wetter, von denen die Region Oberkärnten / Oberes Drautal Mitte No­vem­ber 2002 heim­ge­sucht wurde, ohne Schaden überstanden. Bedingt durch die starken Regenfälle (500 mm allein im November) waren die Kosten dieser Sofortmaßnahme bereits im ersten Monat zweifach einge­spielt.